Als Frührenten oder vorgezogene Altersrenten werden Renten bezeichnet, die man vor Erreichen der regulären Altersgrenze von 65 plus x Monate bzw. 67 Jahre beziehen kann.

Nach neuesten Umfragen würden die meisten Arbeitnehmer in Deutschland am liebsten mit etwa 60 Jahren in Rente gehen. Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander. Aufgrund der Gesetze zur Rente mit 67 stieg das Renten-Eintrittsalter jährlich an und viele Frührenten wurden gesprichen.

Wer früher in Rente gehen will, hat hierzu kaum eine Möglichkeit, weil die klassischen vorgezogenen Renten seit 2012 nach und nach auslaufen.

Dennoch gibt es spezielle Frührenten, die einen Start ins Rentenalter schon ab 60 Jahren ermöglichen, und zwar ohne Abschläge. Allerdings sind sie an bestimmte Branchen gekoppelt.

Generell ohne jede Altersgrenze ist eine Rente wegen Erwerbsminderung möglich. Dort existiert keine Beschränkung hinsichtlich Alter, Beruf oder Branche. Es kommt allein auf den Gesundheitszustand an. Es wird gefragt, ob man noch in der Lage ist, drei Stunden pro Tag zu arbeiten oder nicht. Wird diese Frage verneint, so wird eine volle Erwerbsminderungsrente gewährt.

Rente vor 65 bzw. 67

Doch auch nach dem gegenwärtig geltenden Rentenrecht ist es möglich, vor Erreichen des 65. Lebensjahres in Rente zu gehen. So gibt es die vorgezogene Altersrente für Frauen ab 60, die Rente für langjährig und besonders langjährig Versicherte, die Frührente nach Arbeitslosigkeit und die Frührente nach Erwerbsminderung und Schwerbehinderung.

Die Altersgrenzen für alle Frührenten sind mit der Rentenreform 2013 jedoch angehoben worden, man kann die Renten somit erst später beantragen und später in Rente gehen.

Abschag von der Rente

Alle Frührenten sind in der Höhe gekürzte Renten. Von der Bruttorente wird ein Abschlag genommen. Danach werden noch die Beiträge für die Krankenversicherung und Pflegeversicherung abgezogen.

Der Abschlag beträgt für alle Frührenten 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor dem offiziellen Renteneintrittsalter in Rente geht. Beantragt man also 5 Jahre vor der Altersgrenze die Rente, so beträgt der Abschlag 18 Prozent. Das ist gleichzeitig der Maximalabzug.

Die Abschläge werden lebenslang einbehalten, also nicht etwa nur für die Zeit vom Rentenbeginn bis zum Erreichen der eigentlichen Altersgrenze. Die Frührenten werden mit Erreichen des normalen Rentenalters nicht wieder aufgestockt.

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, die Rentenminderungen auszugleichen. Hierzu muss man Sonderzahlungen leisten. Eingeschränkt ist es auch möglich, fehlende Rentenbeiträge rückwirkend einzuzahlen. Man muss die Beiträge für das vergangene Jahr spätestens bis zum 31. März des laufenden Jahres einzahlen. Fehlende Ausbildungszeiten kann man bis zum Beginn des 45. Lebensjahres ausgleichen.

Rente mit 55

Für einige Berufsgruppen gibt es die Rente mit 55 Jahren ohne Abschläge. So gibt es für Beamten, z.T. auch für Angestellte, mit hoher beruflicher Beanspruchung die Altersgrenze von 55 Jahren, etwa bei der Flugkontrolle. Auch bei den Piloten galt bis zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (Az C-447-09) die Pflicht, zwischen 55 und 60 Jahren in Rente zu gehen. Nunmehr dürfen Piloten auch länger arbeiten, da das Gericht in der Zwangs-Frührente eine Diskriminierung sah.

Rente mit 60

Die abschlagsfreie Rente mit 60 gibt es für Mitarbeiter der Feuerwehr, auch im feuerwehrtechnischen Dienst. Diese Altersgrenze wird aber stufenweise auf 62 Jahre angehoben.

Auch Schwerbehinderte mit einem GdB von 50 und 35 Rentenbeitragsjahren können mit ca. 60 Jahren in Altersrente gehen.

Für Piloten der Lufthansa gab es bisher die Rente mit 60. Das Unternehmen will dies jedoch ändern.

Für Frauen gab es bisher eine spezielle Altersrente mit 60. Diese läuft jedoch aus. Man kann sie noch in Anspruch nehmen, wenn man vor 1952 geboren ist und 15 Jahre Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt hat, davon mindestens 10 Jahre nach dem 40. Geburtstag. Abschläge entfallen, wenn diese Rente mit genau 65 Jahren beansprucht wird.

Beschäftigte im Bergbau können mit 60 Jahren in Rente gehen, wenn sie mindestens 25 Jahre lang unter Tage gearbeitet haben. Das Rentenalter steigt jedoch für alle, die nach dem 1. Januar 1952 geboren sind, auf 62 Jahre an. Wer jedoch vor 1964 geboren ist und im Zuge des Stellenabbaus im Bergbau entlassen wurde und Anpassungsgeld erhielt, kann eine Frührente ab 60 Jahren beantragen.

Rente mit 62

Für Polizeibeamte, Beamte im Justizvollzug, Feuerwehrberufe und Beschäftigte der Bundeswehr wird die Altersgrenze von 60 auf 62 Jahre angehoben.

Die Altersgrenze von 62 Jahren bei der Bundeswehr gilt gleichermaßen für die Soldaten, die Beamte sind, und für die angestellten Beschäftigten.

Frührente mit 63 mit Abschlag

Wer 35 Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt hat, kann mit 63 Jahren und Abschlägen in Rente gehen. Zeiten der Arbeitslosigkeit vor Rentenbeginn zählen mit. Bei der Rente mit 63 ohne Abschläge ist das hingegen anderes und nicht der Fall.

Mit 63 Jahren kann man auch in Rente gehen, wenn man einen Vertrag über Altersteilzeit geschlossen hat.

Ist man vor dem 1. Januar 1952 geboren, hat 15 Jahre Beiträge geleistet, davon mindestens 8 in den letzten 8 Jahren, ist arbeitslos geworden und seit dem Alter von 58 Jahren und 6 Monaten mindestens 52 Wochen Arbeit suchend, kann man ebenfalls mit 63 in Rente gehen.

Beamte können auf Antrag ebenfalls mit 63 in Pension gehen.

Psychische Erkrankung ein Grund für die Frührente

Aufgrund psychischer Erkrankungen gehen immer mehr Arbeitnehmer in Frührente. Innerhalb von 10 Jahren ist die Zahl um 25.000 gestiegen. Im Durchschnitt sind die Betroffenen dann erst knapp 50 Jahre alt. 75.000 Menschen gingen zuletzt wegen psychischer Krankheiten in Deutschland in Frührente.

Druck, Mobbing, Stress, das sind Faktoren, die zu einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Job und einer Frührente führen.

Arbeit an sich macht allerdings nicht krank, sondern hat grundsätzlich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und die persönliche Entwicklung.

Stress entsteht aber durch starre Organisation, beispielsweise, wenn Beruf und Familie nicht unter einen Hut gebracht werden können. Die Folge sind Depressionen oder andere psychische Störungen. Werden diese nicht behandelt, sieht die Prognose schlecht aus.

Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente

Eine volle Erwerbsminderungsrente erhält, wer nach ärztlicher Prüfung täglich weniger als drei Stunden arbeiten kann. Die durchschnittliche Rente bei voller Erwerbsminderung lag im Jahr 2012 bei 723 Euro in Westdeutschland und 698 Euro in Ostdeutschland.

Einen Anspruch auf Teilerwerbsminderungsrente hat, wer täglich weniger als sechs Stunden erwerbsfähig ist. Im Jahr 2012 betrug die Höhe dieser Rente durchschnittlich 492 Euro in Westdeutschland und 423 Euro in Ostdeutschland.

Eine Erwerbsminderungsrente erhält man jedoch nur, wenn man mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Zusätzlich muss man in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Wer längere Zeit keine Rentenbeiträge eingezahlt hat, etwa aufgrund einer Selbständigkeit oder Familienauszeit, verliert u.U. seinen Anspruch.

Eine Frührente setzt einen entsprechenden Antrag bei der Rentenversicherung voraus.