Rente mit 63

"Langjährig Versicherte, die durch 45 Beitragsjahre (einschließlich Zeiten der Arbeitslosigkeit) ihren Beitrag zur Stabilisierung der Rentenversicherung erbracht haben, können mit dem vollendeten 63. Lebensjahr abschlagsfrei in Rente gehen."

Dies ist im Jahr 2015 mittlerweile Gesetz.

Wir stellen nachfolgend die Antworten auf die wichtigsten Fragen im zusammenhang mit der "Rente 63" zusammen.

Was ist die Rente ab 63?

Arbeitnehmer, die besonders lange gearbeitet und 45 oder mehr Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, haben die Möglichkeit, bereits ab Vollendung des 63. Lebensjahres in Rente zu gehen, ohne mit Abschlägen bei der Rentenhöhe belastet zu werden.

Warum gibt es die abschlagsfreie Rente ab 63?

Die Regelaltersrente wird vor dem Hintergrund einer steigenden Lebenserwartung und sinkender Geburtenzahlen stufenweise auf das vollendete 67. Lebensjahr angehoben. Bei den begleitenden Maßnahmen dieser Altersgrenzenanhebung sollen auch diejenigen bedacht werden, die ihr Arbeitsleben bereits früh begonnen haben und die über Jahrzehnte hinweg durch abhängige Arbeit, selbstständige Tätigkeit, Pflegearbeit oder Kindererziehung einen Beitrag zum Erhalt der gesetzlichen Rentenversicherung geleistet haben. Für diese Zielgruppe wurde die schon vorher bestehende Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren mit Vollendung des 65. Lebensjahres in Rente zu gehen, ausgeweitet.

Ab welchem Zeitpunkt gilt die Rente ab 63?

Die Rente ab 63 gilt ab sofort und schon seit dem 1. Juli 2014 für Neurentner. Das bedeutet: Wer neu in Rente geht, kann aktuell, wenn die übrigen Voraussetzungen vorliegen, die Rente ab 63 beanspruchen.

Voraussetzungen

Unter welchen Voraussetzungen Menschen mit 63 Jahren in Rente gehen dürfen, stellen wir nachfolgend vor.

Die Hauptvoraussetzung für die Rente mit 63 ist, dass Versicherte mindestens 45 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind.

Ab dem Geburtsjahrgang 1953 steigt diese Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente wieder wieder schrittweise an. Für alle 1964 oder später Geborenen liegt sie wieder wie bislang bei 65 Jahren.

Welche Zeiten zählen für die erforderlichen 45 Beitragsjahre?

Die abschlagsfreie Rente ab 63 ist nur für diejenigen Menschen eine Option, die ihr Arbeitsleben bereits in jungen Jahren begonnen haben und während Jahrzehnten durch abhängige Beschäftigung, selbstständige Tätigkeit, Pflege oder Kindererziehung einen erheblichen Beitrag zu der gesetzlichen Rentenversicherung geleistet haben.

Zur Vermeidung von Härten aufgrund vorübergehender Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit, werden auch Zeiten der Arbeitslosigkeit auf die Wartezeit von 45 Jahren angerechnet.

Nachfolgend eine Auflistung aller Zeiten, die für die Rente mit 63 berücksichtigt werden. Das sind Zeiten
- mit Beiträgen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung,
- mit Pflichtbeiträgen aus selbstständiger Tätigkeit,
- des Wehr- oder Zivildienstes,
- in denen Angehörige nicht erwerbsmäßig gepflegt wurden,
- der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes,
- denen Arbeitslosengeld oder Teilarbeitslosengeld bezogen wurde; Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld werden also zeitlich unbegrenzt berücksichtigt - in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn allerdings nur, wenn sie Folge einer Insolvenz oder vollständigen Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers sind,
- des Bezugs von Krankengeld,
- des Bezugs von Übergangsgeld,
- in denen Leistungen bei beruflicher Weiterbildung bezogen wurden,
- in denen Kurzarbeitergeld, Schlechtwettergeld und Winterausfallgeld bezogen wurde,
- in denen Insolvenzgeld bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers bezogen wurde,
- die als Ersatzzeiten gelten.

Keine Berücksichtigung finden Zeiten der Dauer- und Langzeitarbeitslosigkeit, in denen Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4) bezogen wurde.

Keine Berücksichtigung finden auch Zeiten des Mutterschutzes.

Mutterschutz-Zeiten nicht berücksichtigt

Der sechswöchige Mutterschutz wird der bei der Rente mit 63 nicht berücksichtigt - im Gegensatz zu den Zeiten der Arbeitslosigkeit oder des Bezugs von Krankengeld.

Gründe, warum die arbeitsfreien sechs Wochen bis zur Geburt nicht angerechnet werden, gibt es nicht. Es ist schlicht vergessen worden, diese Zeiten in die gesetzliche Regelung aufzunehmen. Oder?

Jedenfalls ist es eine Ungerechtigkeit. Frauen können schwanger werden, Männer nicht. Bei Männern wird auch eine sechswöchige Krankheit angerechnet für die Berechnung, ob jemand die Rente ab 63 erhalten darf oder nicht. Bei Frauen wird die Zeit des Mutterschutzes nicht angerechnet.

Das Bundesarbeits- und Sozialministeriums erklärte, dass die Bundesregierung mit der Rente ab 63 denen einen früheren Rentenbeginn ermöglichen, die lange eingezahlt haben, etwa durch jahrzehntelange Beschäftigung, selbstständige Tätigkeiten, Pflegearbeit und Kindererziehung. Sie hätten also ihren Beitrag zur Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherungen geleistet. Dieser Absicht widerspräche es, beitragsfreie Zeiten auf die 45-jährige Wartezeit anzurechnen, also auch den Mutterschutz.

Warum werden dann Kindererziehungszeiten angerechnet? Antwort: Weil Kinder von heute Rentenbeitragszahler von morgen sind. Nicht gerade logisch, dann die Zeiten des Mutterschutzes nicht zu berücksichtigen.

6 Wochen sind nicht viel - in aller Regel nicht. In den Fällen aber, in denen nur ein paar Tage an den geforderten 45 Beitragsjahren fehlen, um früher und ohne Abzüge in Rente zu gehen, hingegen schon. Es gibt somit Mütter, insbesondere, wenn sie mehrere Kinder geboren haben, die die 45 Jahre eigentlich zusammen hätten und deshalb keine Rente ab 63 bekommen, weil ihnen einige Wochen fehlen.

Wie viele Mütter sind tatsächlich betroffen? Zahlen liegen nicht vor. Allerdings dürfte die Zahl nicht zu groß sein.

Die Bundesregierung will jetzt wegen des doch erkennbar engen Zusammenhangs von Mutterschutz und Kindererziehung prüfen, ob eine Änderung des geltenden Rechts angezeigt ist oder nicht. Bisher ist

Zeiten der Arbeitslosigkeit

Für die 45 Beitragsjahre zählen auch Zeiten, in denen Arbeitslosengeld I bezogen wurde. Ausnahme: In den letzten 2 Jahren vor dem jeweiligen Rentenbeginn werden Zeiten der Arbeitslosigkeit nicht angerechnet. Das soll Frühverrentungen mit 61 Jahren verhindern. Es könnte, so die Argumentation des Gesetzgebers, mit dem Arbeitgeber besprochen werden, dass dieser eine betriebsbedingte Kündigung ausspricht.

Anders wird die Arbeitslosigkeit in den letzten 2 Jahren vor der Rente behandelt, wenn sie unfreiwillig durch eine Insolvenz oder vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers verursacht wurde. Dann wird die Arbeitslosigkeit für die erforderlichen 45 Beitragsjahre mitgerechnet.

Nach betriebsbedingten Kündigungen (s.o.) gilt dies wiederum nicht, um missbräuchliche Absprachen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entgegenzuwirken.

Nach den internen Dienstanweisungen der Rentenversicherung wird eine vollständige Geschäftsaufgabe aber nur in eng begrenzten Ausnahmefällen angenommen, nämlich nur dann, "wenn der Arbeitgeber seine gesamte Betriebstätigkeit auf Dauer eingestellt hat". Stellt der Arbeitgeber nur eine Filiale oder einen Standort ein oder legt er Betriebe zusammen, liegt keine Geschäftsaufgabe vor. Auch ein Inhaberwechsel ist keine Geschäftsaufgabe im Sinne des Gesetzes, so die Anweisungen. Eine aus der Maßnahme des Arbeitgebers folgende Arbeitslosigkeit wird in diesen Fällen nicht für die Beitragsjahre angerechnet.

Allerdings: Wer aber aus genau diesen Gründen seinen Job verliert, ist sicher nicht freiwillig arbeitslos geworden. Trotzdem werden ihm die letzten zwei Jahre der Arbeitslosigkeit auf die nötigen 45 Jahre für die Rente ab 63 nicht angerechnet.

Die Gewerkschaften meinen: Das Gesetz behandele gleichliegende Fälle willkürlich ungleich und verstoße gegen das Grundgesetz. Darum wollen sie die Regelung der Anrechnung bzw. Nichtanrechnung der Zeiten der Arbeitslosigkeit durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen. Es werde nicht eindeutig zwischen unfreiwilliger und missbräuchlicher Arbeitslosigkeit unterschieden. Bisher ist jedoch noch nichts geschehen.

Schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre

Das frühe Renteneinstiegsalter von 63 Jahren wird schrittweise wieder auf 65 Jahre angehoben: Das Zugangsalter, mit dem der abschlagsfreie Rentenzugang möglich ist, wird somit schrittweise parallel zur Anhebung des allgemeinen Renteneintrittsalters auf das vollendete 65. Lebensjahr angehoben."

Jeder, der 63 Jahre oder älter ist, noch keine Altersrente bekommt und die Wartezeit von 45 Jahren erfüllt, konnte ab dem 1. Juli 2014 die Rente mit 63 ohne Abschläge in Anspruch nehmen. Das Eintrittsalter in diese Rente wurde allerdings (wie bei den anderen Altersrenten) schrittweise angehoben. Für die Jahrgänge ab 1964 beträgt das Eintrittsalter in die neue Rente dann 65 Jahre. Das Eintrittsalter liegt also immer zwei Jahre vor dem für den Bezug der Regelaltersrente maßgeblichen Eintrittsalter.

Anspruch auf die Altersrente nach Vollendung des 63. Lebensjahres haben Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind. Für Versicherte, die nach dem 31. Dezember 1952 geboren sind, wird die Altersgrenze von 63 Jahren schrittweise angehoben.

Tabelle: Eintrittsalter für die vorzeitige abschlagsfreie Altersrente nach 45 Beitragsjahren (Rente ab 63).

Geburtsjahr Mögliches Renteneintrittalter
1951 63 Jahre
1952 63 Jahre
1953 63 Jahre + 2 Monate
1954 63 Jahre + 4 Monate
1955 63 Jahre + 6 Monate
1956 63 Jahre + 8 Monate
1957 63 Jahre + 10 Monate
1958 64 Jahre
1959 64 Jahre + 2 Monate
1960 64 Jahre + 4 Monate
1961 64 jahre + 6 Monate
1962 64 Jahre + 8 Monate
1963 64 Jahre + 10 Monate
1964 65 Jahre
1965 und später 65 Jahre

Dabei ist zu beachten, dass man für die Berechnung des exakten Rentenbeginns vom 1. des Monats ausgehen muss, der auf den Monat folgt, in dem man Geburtstag hat.
Berechnungsbeispiel: Hat man am 14. Juli 1960 Geburtstag, so ist Ausgangspunkt der Berechnung der 1. August des Jahres, in dem man 63 Jahre alt wird. Nun muss man (s. Tabelle für 1960) 1 Jahr und 4 Monate hinzuzählen. Rentenbeginn ist folglich der 1. Dezember 2014.

Keine Frühverrentung durch die Rente mit 63

Das Bundesarbeitsministerium will verhindern, dass die Rente mit 63 für langjährig Versicherte für eine Frühverrentungswelle missbraucht wird. Das könnte passieren, weil auch Zeiten von Kurzarbeitslosigkeit für die Neuregelung anerkannt werden sollen. Dann könnten schon 61-Jährige eine abschlagsfreie Rente erhalten, wenn sie die letzten beiden Jahre Arbeitslosengeld I beziehen.

Im parlamentarischen Verfahren wurde deshalb entschieden, dass in den letzten 2 Jahren vor Rentenbeginn Zeiten der Arbeitslosigkeit nur in Ausnahmefällen berücksichtigt werden. Dadurch sollte eine missbräuchliche Frühverrentung verhindert werden kann. Ob dies allerdings verfassungskonform gelungen ist, wird wohl noch vom Bundesverfassungsgericht überprüft werden, s. Anrechnung von Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Wie viele Männer, wie viele Frauen profitieren von der abschlagsfreien Rente mit 63?

Die Rente ab 63 konnten anfänglich bis zu 200.000 Personen pro Jahr in Anspruch nehmen. Der Anteil der Frauen hieran lag bei etwa 25 Prozent. Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass tatsächlich 200.000 Personen mehr früher in Rente gingen, denn bereits nach der bisherigen Rechtlage gingen Personen im Alter von 63 Jahren in Rente. Bisher müssen sie allerdings Abschläge bei der Rentenhöhe hinnehmen. Mit der neuen gesetzlichen Regelung fiel für diesen Personenkreis die Inkaufnahme von Abschlägen weg.

Problem Altersteilzeit

Besondere Fragen ergeben sich, wenn man sich in Altersteilzeit befindet. Die Antworten hierzu finden Sie hier: Rente ab 63 bei Altersteilzeit.

Rente mit 63 für Beamte?

Die Rente ab 63 soll Arbeitnehmern, die jahrelang in die Rentenkasse eingezahlt haben, einen frühzeitigen Übergang in das Rentnerdasein ermöglichen

.

Was den Arbeitnehmern Recht ist, sei den Beamten billig, so eine Forderung des Deutschen Beamtenbundes. Er verlangt die Übertragung von Verbesserungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung auch für die Beamten in Deutschland. Dies erfordere der Grundsatz der Gerechtigkeit.

Die Bundesregierung lehnt eine Übertragung des neuen Rentenrechts auf Beamte mit dem Argument ab, im Pensionsrecht gäbe es schon gegenwärtig für besonders belastete Berufsgruppen wie Polizisten, Feuerwehrleute, Justizbeamte in Haftanstalten und Soldaten Sonderregelungen, die einen vorzeitigen Ruhestand mit 63 Jahren oder sogar noch früher ermöglichen. Zudem könnten Regelungen für Arbeitnehmer nicht ohne weiteres auf Beamte übertragen werden; Beamte hätten schon jetzt eine Reihe von Privilegien zur Seite, die Arbeitnehmer nicht genössen. So ist vielfach in den Ländern die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre für Beamten noch nicht umgesetzt worden.

Viele Experten halten die Rente mit 63 für Beamten zudem für nicht finanzierbar.

Weitere Antworten auf Fragen zur Rente mit 63

Bereits in Rente

Wer schon in Frührente ist, etwa mit 63 Jahren und Rentenabschlägen in Rente gegangen ist, profitiert nicht von der neuen abschlagsfreien Rente mit 63, selbst dann nicht, wenn er 45 Jahre und mehr gearbeitet hat. Nur Personen, deren Rente nach Inkrafttreten des Gesetzes beginnt, können von der Neuregelung profitieren. Für alle anderen bleiben die einmal in Kauf genommenen Abschläge erhalten.

Rente mit 63 bei Erwerbsminderungsrente?

Wer eine Erwerbsminderungsrente bezieht, und wem noch etwas an den 45 Berufsjahren fehlt, kann die fehlenden Jahre eventuell mit einem Minijob nachholen. Die Erwerbsminderungsrente kann man dann mit Erreichen des 63. Lebensjahres in eine Altersrente umwandeln lassen.

Haben Schwerbehinderte etwas von der Rente mit 63?

Wenn die Schwerbehinderten die 45-jährige Wartezeit erfüllt haben, könnten unter Umständen Vorteile durch die Neuregelung gegeben sein.

Rente mit 64

Wer erst mit 64 auf die erforderlichen 45 Jahre Wartezeit kommt, kann auch zu diesem Zeitpunkt die abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch nehmen.

Welche Kindererziehungszeiten werden berücksichtigt?

Es werden im Rentenkonto bereits angerechnete Zeiten der Erziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes berücksichtigt.

Zählt ein Minijob mit?

Ein Minijob zählt bei der Zeit für die Rente mit 63 Jahren mit, wenn der Arbeitnehmer sich an der Beitragszahlung beteiligt hat.

Ende des Arbeitsvertrags

Rente kann nur bezogen werden, wenn das Arbeitsverhältnis beendet ist. Will man die Rente mit 63 in Anspruch nehmen, so muss man das Arbeitsverhältnis kündigen.